Informationen Suizidgefährdung

Hier finden Sie ausfühliche Informationen zu Suizidgefährdung:

Einführende Texte

  • Suizid bei Kindern und Jugendlichen
  • Ich weiß nicht mehr weiter
  • Alarmzeichen
  • Deutliche Signale werden oft nicht beachtet
  • So will ich nicht mehr leben

 

Suizid bei Kindern und Jugendlichen

Durch Suizid sterben fast so viele Jugendliche wie im Straßenverkehr. Suizid bei Kindern und Jugendlichen ist ein tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft, obwohl Suizide im Kindes- und Jugendalter die zweit- bis dritthäufigste Todesursache sind.
Durch Suizid starben 2011 in Berlin insgesamt 353 Menschen, davon waren 20 unter 25 Jahren.
2011 starben in Deutschland 10144Menschen durch Suizid; 602 waren jünger als 25 Jahre.

Über Suizidversuche gibt es keine Statistik. Fachleute schätzen, dass diese Zahl bei Jugendlichen zwanzig- bis dreißigmal höher ist als die der vollendeten Suizide.

Ich weiß nicht mehr weiter

Ein Suizidversuch ist Signal tiefer innerer oder äußerer Konflikte des Jugendlichen. Häufig ist dieser Versuch verbunden mit Beziehungsstörungen in der Familie. In dieser Notsituation geben Jugendliche oft verschlüsselte Botschaften, die widersprüchlich und nicht ohne weiteres verständlich sind. Viele Jugendliche glauben, dass sie ihre Mitmenschen schockieren, wenn sie über ihre Angst, Verzweiflung, Wut oder Scham sprechen und schweigen deshalb lieber.

Alarmzeichen

Die Jugendlichen haben das Gefühl, in einer unerträglichen, ausweglosen Lage zu sein: Einerseits sehnen sie sich nach Hilfe, Zuwendung, Liebe und Verständnis; andererseits denken sie: "Mich versteht sowieso niemand" und fühlen sich isoliert, allein und unverstanden. Genauso widersprüchlich sind ihre Zeichen nach außen. Zum Beispiel provozieren und stören sie in der Schule, sind zu Hause aber angepaßt. Manchmal streiten sie, sind trotzig, aggressiv und brechen Beziehungen mit Freunden ab, werden ess- oder magersüchtig.

Deutliche Signale werden oft nicht beachtet

Schlafstörungen schiebt man auf Schulprobleme, Appetitlosigkeit erklärt man vielleicht mit Wachstumsproblemen. Wenn jemand "im Spaß" oder "nur mal so" Kreuze und Särge malt oder sagt, er wolle sich aus dem Fenster stürzen, wird man an die eigene Angst vor dem Tod erinnert und übersieht leicht die Verzweiflung des Jugendlichen. Oder man sagt:
"Wegen so was bringt man sich doch nicht um".
Auch wenn ein Jugendlicher von seinen Ängsten erzählt oder ausspricht, dass er nicht mehr leben mag, geht sein Umfeld oft nicht darauf ein. Entweder traut man sich nicht, offen darüber zu sprechen, oder glaubt, dem Jugendlichen durch Schweigen zu helfen. Mitunter ist es aber auch nicht leicht, mit einem verzweifelten Jugendlichen Kontakt aufzunehmen. Die Jugendlichen sind sehr sensibel und verletzbar und reagieren schnell abweisend. In allen Fällen ist das Ergebnis für den Jugendlichen dasselbe: Er kann sich nicht verständlich machen, er fühlt sich in seinen Ängsten und Nöten nicht ernst genommen.

So will ich nicht mehr leben

In diesem Dilemma erscheint vielen Jugendlichen ein Suizidversuch als einzige Lösung. Der junge Mensch will die für ihn zerstörerischen Lebensumstände ändern; weil ihm dieses nicht gelingt, geht er statt dessen mit sich selbst zerstörerisch um und versucht, sich das Leben zu nehmen. "Ich will nicht mehr leben" bedeutet zugleich:
"So wie es jetzt ist, kann ich nicht mehr leben; ich möchte, dass sich was in meinem Leben ändert."
Die häufigsten Probleme Das Jugendalter ist eine Zeit des Aufbruchs, der großen Veränderungen, der Unsicherheit. Der Jugendliche muß sich neu orientieren, eine neue Identität entwickeln, die Anforderungen der Umwelt an ihn werden größer. Wenn in diesem Lebensabschnitt wichtige Beziehungen gestört sind, kann ein Jugendlicher leicht in eine lebensbedrohliche Krise geraten. Er hat keinen Halt mehr, kann sich selber nicht stützen und findet oft auch keinen Halt von außen. Konflikte zu Hause oder im Freundeskreis, Tod eines nahen Angehörigen, Trennung oder Gewalt in der Familie, zerbrochene Freundschaften, Liebeskummer, schlechte Zensuren oder Probleme in der Schule gehen oft einem Suizidversuch voraus.

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Daten und Fakten

  • Zur Häufigkeit von Suizidhandlungen
  • Sterbefälle durch Selbstmord und Selbstbeschädigung
  • Trends
  • Die Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in Berlin
  • Selbsttötungen in Berlin ab 1992
  • Probleme in der Statistik
  • Suizidhäufigkeiten vor der Wiedervereinigung in der DDR und Bundesrepublik

 

Zur Häufigkeit von Suizidhandlungen

Wie viele junge Menschen versuchen sich das Leben zu nehmen?
Suizidversuche sind bei jungen Menschen viel häufiger als in anderen Altersgruppen.
Über Suizidversuche werden keine amtlichen Statistiken geführt. Eine Erfassung aller Suizidversuchshandlungen ist zudem sehr schwierig, weil nur ein Teil der suizidalen Handlungen, z.B. die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, bekannt wird. Viele Suizidversuchshandlungen werden nur Beratungsstellen oder Hausärzten bekannt oder bleiben völlig unbehandelt und damit unbekannt.
So überrascht es nicht, dass die Untersuchungen zur Häufigkeit von Suizidversuchen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Einigkeit besteht jedoch in generellen Aussagen wie der Feststellung, dass die Zahl der Suizidversuche in der Gruppe junger Menschen am größten ist. Man kann davon ausgehen, dass die Suizidversuche über alle Altersklassen hinweg ca. zehnmal so häufig sind wie die Suizide. Für die Gruppe junger Menschen kommen auf jeden vollendeten Suizid ca. 20 - 30 Suizidversuche.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland durch Suizid?
In Deutschland starben im Jahr 1999 insgesamt 11.157 Menschen durch eigene Hand. Diese sehr hohe Zahl von Selbsttötungen wird oftmals in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Häufig werden in der Öffentlichkeit die vielen Todesfälle im Straßenverkehr (1999 starben 7772 Menschen durch Verkehrunfälle) eher wahrgenommen, obgleich die Zahl der Suizide sehr viel höher ist. Durchschnittlich sterben Männer doppelt so häufig wie Frauen durch Suizid.
Dieser geschlechtsspezifische Unterschied kommt bei jungen Menschen noch deutlicher zum Ausdruck.
Bei jungen Menschen ist der Suizid die dritthäufigste Todesursache (bei jungen Männern um 20 Jahre sogar an zweiter Stelle der Todesursachen). Fast jede Woche stirbt in Deutschland ein Kind unter 15 Jahren durch Suizid.
Die Gruppe junger Menschen wird in Untersuchungen bis 25 Jahre gefasst. Im Jahr 1998 haben sich 793 junge Menschen das Leben genommen. Täglich sterben also ein bis zwei junge Menschen durch Suizid in Deutschland.

 

Sterbefälle durch Selbstmord und Selbstbeschädigung
Deutschland (Angaben Stat. Bundesamt)
Jahr Geschlecht Altersgruppen
    5 - 10 10 - 15 15 - 20 20 - 25 0 - 25 alle Altersgr.
1990 männlich 2 20 209 591 822 9534
weiblich 5 4 48 180 237 4390
insgesamt 7 24 257 771 1059 13 924
 
1991 männlich 3 24 200 575 802 9 656
weiblich 2 4 65 120 191 4 355
insgesamt 5 28 265 695 993 14 011
 
1992 männlich 4 22 185 489 700 9 326
weiblich 3 9 49 114 175 4 132
insgesamt 7 31 234 603 875 13 458
 
1993 männlich 1 46 181 451 679 8 960
weiblich 1 12 56 101 170 3 730
insgesamt 2 58 237 552 849 12 690
 
1994 männlich 1 29 212 470 712 9 130
weiblich - 17 59 111 187 3 588
insgesamt 1 46 271 581 899 12 781
 
1995 männlich - 38 220 410 668 9 222
weiblich - 14 66 110 190 3 666
insgesamt - 52 286 520 858 12 888
 
1996 männlich 1 35 224 365 625 8 726
weiblich 2 11 52 105 170 3 497
insgesamt 3 46 276 470 795 12 225
 
1997 männlich 1 27 237 363 628 8 841
weiblich 1 7 61 81 150 3 424
insgesamt 2 34 298 444 795 12 265
 
1998 männlich - 34 223 365 622 8 575
weiblich - 16 71 84 171 3 069
insgesamt - 50 294 449 793 11 644
 
1999 männlich - 26 230 364 620 8080
weiblich - 9 56 77 142 3077
insgesamt - 35 286 441 762 11157
 
2000 männlich - 25 206 369 600 8131
weiblich - 8 66 71 145 2934
insgesamt - 33 272 440 745 11065
 
2001 männlich 2 35 207 386 630 8188
weiblich 0 11 54 70 135 2968
insgesamt 2 46 261 456 765 11156
 
2002 männlich 0 16 254 355 625 8106
weiblich 0 8 60 81 149 3057
insgesamt 0 24 314 436 774 11163
 
2003 männlich 0 17 179 358 554 8179
weiblich 0 6 65 90 161 2971
insgesamt 0 23 244 448 715 11150
 
2004 männlich 0 16 172 346 534 7939
weiblich 0 7 47 82 136 2794
insgesamt 0 23 219 428 670 10733
 
2005 männlich 0 18 167 312 497 7523
weiblich 1 7 47 70 125 2737
insgesamt 1 25 214 382 622 10260
 
 2006 männlich  1 19  157 297 474 7225
weiblich  1  8  45  67  121  2540
insgesamt  2  27 202  364 598 9765
2007  männlich 1 14 149 299 463 7009
weiblich  0  9  47 63 119 2393
insgesamt 1 23 196 362 582 9402
 
2008 männlich 2 9 160 296 467 7039
weiblich 0 6  50 80 136 2412
insgesamt  2  15  210  376  603 9451
 
 2009 männlich 1 11 147 297 456  7228
weiblich  0  9  47  75 131  2388
  insgesamt  1  20  194  372  587  9616
 
2010 männlich 1 21 143 331 496 7465
weiblich 0 6  46 86 138 2556
insgesamt 1 27  189 417 634 10 021
 
2011 männlich 0 12 130 330 472 7646
weiblich 0 9 42 79 130 2498
insgesamt 0 21 172 409 602 10144
               
2012 männlich 0 11 139 300 450 7287
weiblich 0 9 45 76 130 2603
insgesamt 0 20 184 376 580 9890
               
2013 männlich 0 6 119 272 397 7449
weiblich 0 12 46 65 123 2627
insgesamt 0 18 165 337 520 10076
               
2014 männlich 0 20 137 260 417 7624
weiblich 0 8 57 64 129 2585
insgesamt 0 28 194 324 546 10209
               
2015 männlich 0 7 133 243 383 7398
weiblich 0 13 63 73 149 2682
insgesamt 0 20 196 316 532 10080

 

Trends

Für die Bundesrepublik ist festzustellen, dass die Suizide bei Betrachtung langer Zeiträume um ein konstantes Mittel schwanken. Berichte von einem dramatischen Anstieg der Suizide sind also zu verneinen.
Für die letzten 30 Jahre lässt sich erfreulicherweise eine generelle Tendenz zum Rückgang von Suiziden feststellen.
Diese Tendenz findet sich auch in anderen Ländern Europas wieder.
Leider ist diese generelle positive Entwicklung für Kinder und Jugendliche zwischen 10 - 20 Jahren nicht zu verzeichnen, wie auch der Tabelle für das letzte Jahrzehnt zu entnehmen ist. Die Bemühungen um eine Verbesserung der Suizidprävention sind bundesweit zu verstärken.

Die Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in Berlin

In Berlin lässt sich für die letzten 30 Jahre ebenfalls ein deutlicher Rückgang der Suizidhäufigkeiten feststellen.
Während sich 1970 in Westberlin 917 Menschen das Leben genommen haben, sind es im Jahr 1999 in Berlin (gesamt)
483 Menschen gewesen.
Diese positive Entwicklung ist sicherlich auf eine Vielzahl verschiedener Faktoren im gesellschaftlichen Umfeld zurückzuführen, unter denen auch der Ausbau der Hilfsangebote für Menschen in Krisen seine Bedeutung hat.

 

Selbsttötungen in Berlin ab 1992    
               
   

 

Davon im Alter von/bis

 
Jahr
Geschlecht
Insgesamt
unter10
10 -15
15 -20
20 -25
Alle unter 25 J.
               
1992 männlich
339
-
-
3
16
19
  weiblich
211
-
-
3
11
14
  insgesamt
550
-
-
6
27
33
1993 männlich
364
-
1
6
15
22
  weiblich
191
-
-
2
8
10
  insgesamt
555
-
1
8
23
32
1994 männlich
365
-
1
8
13
22
  weiblich
201
-
-
2
5
7
  insgesamt
566
-
1
10
18
29
1995 männlich
428
-
2
8
18
28
  weiblich
205
-
-
8
10
18
  insgesamt
633
-
2
16
28
46
1996 männlich
385
-
1
6
15
22
  weiblich
199
-
-
-
10
10
  insgesamt
584
-
1
6
25
32
1997 männlich
350
-
-
7
13
20
  weiblich
170
-
-
2
5
7
  insgesamt
520
-
-
9
18
27
1998 männlich
294
-
1
10
15
26
  weiblich
153
-
-
3
1
4
  insgesamt
447
-
1
13
16
30
1999 männlich
321
-
3
9
14
26
  weiblich
162
-
-
3
8
11
  insgesamt
483
-
3
12
22
37
2000 männlich
328
-
2
10
18
30
  weiblich
144
-
-
6
5
11
  insgesamt
472
-
2
16
23
41
2001 männlich
310
-
3
5
13
21
  weiblich
124
-
1
3
3
7
  insgesamt
434
-
4
8
16
28
2002 männlich
303
-
0
9
19
28
  weiblich
163
-
1
1
11
13
  insgesamt
466
-
1
10
30
41
2003 männlich
367
-
1
8
22
31
  weiblich
142
-
0
1
11
12
  insgesamt
509
-
1
9
33
43
2004 männlich
291
-
2
4
15
21
  weiblich
107
-
1
3
4
8
  insgesamt
398
-
3
7
19
29
2005 männlich
282
-
1
2
9
12
  weiblich
135
-
1
4
4
9
  insgesamt
417
-
2
6
13
21
 2006  männlich
 294
1
7
22
30
   weiblich
 125
 -
 1
 1
 6
 8
   insgesamt
 419
 -
 2
 8
 28
 38
 2007  männlich
305 
16 
22 
   weiblich
 128
   insgesamt
 433
22 
29 
 2008 männlich
 265
 -
 -
 6
4
 10
   weiblich
 82
 -
 -
 1
 5
 6
   insgesamt
 347
 -
 -
 7
 9
 16
 2009 männlich
201
 -
1
3
10
14
   weiblich
 85
 -
 1
 1
 3
 5
   insgesamt
 286
 -
 2
 4
 13
 19
 2010  männlich
 261
1
-
 8
 18
 27
   weiblich
 105
 
 -
 2
 4
 6
   insgesamt
 366
 1
 0
 10
 22
 33
2011 männlich
253
-
-
-
13
13
  weiblich
100
-
-
4
3
7
  insgesamt
353
-
-
4
16
20
2012 männlich
233
-
-
2
12
14
  weiblich 98 - - 2 3 5
  insgesamt
331
-
-
4
15
19
2013 männlich
230
-
-
-
12
12
  weiblich
115
-
-
2
2
4
  insgesamt 345 - - 2 14 16
2014 männlich  271 - - 4 11 15
  weiblich  103 - - 1 5 6
  insgesamt  374 - - 5 16 21
2015 männlich 316 - - 3 10 13
  weiblich 154 - - 2 6 8
  insgesamt 470 - - 5 16 21

(Quelle: Statistisches Landesamt Berlin)

 

Probleme in der Statistik

Jede Statistik über Suizide ist mit Vorsicht zu betrachten.
Es ist davon auszugehen, dass eine Reihe von Suiziden nicht als solche erkannt und erfasst werden. So ist aus Untersuchungen bekannt, dass sich unter der Rubrik KFZ-Unfälle auch Suizide, die mit dem Auto begangen wurden, verbergen.
Insbesondere bei internationalen Vergleichen in Suizidstatistiken sind die unterschiedlichen Tabuisierungen zu bedenken. Es ist davon auszugehen, dass in Regionen, in denen der Suizid stärker tabuisiert ist oder sogar unter Strafe stand (z.B. war der Suizid und der Suizidversuch in England bis in die 60iger Jahre strafbar), die Angehörigen und ein Hausarzt die Todesursache Suizid zu vertuschen suchen.
Es muss zumindest für die Westberliner Suizidhäufigkeit der letzten 20 Jahre stark bezweifelt werden, dass bei der Betrachtung der Berliner Suizidstatistik von annähernd richtigen Zahlen auszugehen ist.
Die Berliner Ärztin Dr. Annemarie Wiegand stellte in einer vergleichenden Untersuchung von Zeitreihen der Todesfälle durch Suizid und ungeklärter Todesfälle fest, dass seit Mitte der siebziger Jahre bei einem erheblichen Rückgang der Suizide die Zahl der Fälle ungeklärter Todesursache rasant anstieg. Nach Frau Dr. Wiegand ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich unter den ungeklärten Todesfällen viele nicht erkannte Suizide befinden.

Suizidhäufigkeiten vor der Wiedervereinigung in der DDR und Bundesrepublik

Seit ca. 100 Jahren wird in Deutschland Selbstmordgeschehen statistisch erfasst. Bei Betrachtung der Suizidhäufigkeiten nach Regionen fiel schon damals ein Ost/West - Unterschied auf. Insbesondere der sächsische Raum wies sehr hohe Suizidzahlen auf. 1898 erreichte die Selbstmordrate auf "DDR Gebiet" den Wert von 30 Suiziden pro 100.000 Einwohner, auf "BRD - Gebiet" von 18. In den Jahren 1950 und 1960 ergab sich für das Gebiet der DDR eine Suizidrate von > 30 (pro 100.000 Einwohner) und damit eine der höchsten der Welt. Im Vergleich dazu ist die Selbstmordrate 1991 in den neuen Bundesländern 25, in den alten Bundesländern 15 (pro 100.000 Einwohner).
Unter dem Zwang, alles gesellschaftspolitisch bewerten zu wollen, aber mit einer hohen Suizidrate keine Erfolgsmeldung abgeben zu können, veröffentlichten die sozialistischen Gesundheitsbehörden ab 1961 keine Suizidstatistik mehr.
Das Thema Suizid verschwand weitgehend aus den Medien und damit aus der öffentlichen Diskussion und wurde letztlich zu einem tabuisierten Thema.
Suizidalität in einer Größenordnung von durchschnittlich 5100 Selbsttötungen pro Jahr (davon ca. 360 in Berlin-Ost), wobei ca. 10% junge Menschen unter 25 Jahren waren, bedurfte trotz aller gesellschaftlicher Inakzeptanz einer Beachtung in den medizinischen und psychologisch-sozialen Versorgungseinrichtungen des DDR-Gesundheitswesens. Menschen nach einem Suizidversuch wurden zumeist stationär aufgenommen.
In der Entwicklung der Suizidhäufigkeiten in der DDR ergab sich ein ähnlicher - allerdings nicht so ausgeprägter - Rückgang in den achtziger Jahren wie in der BRD. Anfang bis Mitte der siebziger Jahre waren die Suizide auffallend häufig.

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Familiärer Hintergrund

Die Familie

  • Die Krise betrifft die ganze Familie
  • Beispiele kritischer Familiensituationen

 

Die Krise betrifft die ganze Familie

Wie bei dem einzelnen trifft es auch auf die ganze Familie zu, dass in Krisenzeiten bisher verdeckte Spannungen und Konflikte, insbesondere die Probleme in den Beziehungen untereinander, plötzlich und massiv an die Oberfläche kommen. Nicht nur die Jugendlichen, sondern die ganze Familie durchlebt eine Krise. Ein Selbstmordversuch und auch die Selbstmordgefährdung zeigen, dass die Familie ihre Konflikte nicht mehr ohne Hilfe bewältigen kann. Häufig ist in den Familien eine schon lange vorher entstandene Beziehungs - und Kommunikationsstörung festzustellen. Dies kann sich z.B. so auswirken, dass Probleme und Konflikte nicht mehr miteinander ausgetragen, sondern "totgeschwiegen" und "unter den Teppich gekehrt" werden. Oder in der Familie bestimmen Unsicherheit, Unverständnis oder auch Respektlosigkeit den Umgang miteinander. Unterschwellige Vorwürfe und Enttäuschung, unausgesprochener Ärger und Wut haben sich angesammelt und "vergiften" die Atmosphäre.
Betrachtet man die Familiengeschichten, kann man eine gewisse Häufung von Bedingungen feststellen, die zu einem Selbstmordversuch führen können, aber nicht zwangsläufig müssen. Sie können sich auch in anderen selbstzerstörerischen Verhaltensweisen wie Drogenkonsum, Eßstörungen oder psychosomatischen Krankheiten einen Ausdruck verschaffen.

Beispiele kritischer Familiensituationen

  • Die Familiengeschichte ist von plötzlichen Trennungen, Tod oder Selbstmord eines Verwandten bestimmt. Die schmerzliche Auseinandersetzung mit diesen Ereignissen und den Gefühlen ist nicht gelungen, das Geschehen zu einem Tabu geworden.
  • Eine Trennung ist nicht real vollzogen, aber ein Beziehungspartner, oft der Vater, ist nicht wirklich anwesend oder nicht "greifbar". Zum anderen Elternteil, der Mutter, kann eine sehr intensive, andere ausschließende Beziehung entstehen. Unerfüllte Wünsche, Enttäuschungen, Lebensängste der Mutter können dann die Bedürfnisse des Kindes an den Rand drängen. Wächst das Kind heran und will selbständig werden, sich lösen, muß es den "Lebensinhalt" der Mutter massiv in Frage stellen. Die Beziehung der Eltern miteinander muß dann zum Thema werden.
  • Konflikte zwischen den Eltern werden über das Kind ausgetragen, es muß Partei ergreifen und ist hin - und hergerissen. Plötzlich sind sich die Eltern wieder einig, die Rollen, die das Kind einnehmen muß, wechseln ständig. Es muß sich ständig den Bedürfnissen der Eltern anpassen, alles ist verwirrend, undurchschaubar. Das Kind wird ausgenutzt und überfordert. Es kann sich nie "richtig" verhalten, da es sich immer gegen ein Elternteil wenden muß.
  • Konflikte werden nicht geklärt, sondern durch Verschweigen oder durch das "Recht des Stärkeren" entschieden. Das Kind erlebt Spannungen, "Explosives" im Untergrund und lernt nicht, sich auszudrücken.
  • Alle Erfahrungen von Gewalt in der Familie, offene oder unterschwellige Feindseligkeit und Haß, Mißhandlungen, sexueller Mißbrauch bestimmen das Selbstwertgefühl. Gewalt durch die Eltern erfahren zu müssen, kann die Schwelle, sich selbst Gewalt anzutun, erheblich verringern. Dazu kommt, dass Gewalterlebnisse in der Familie, besonders sexueller Mißbrauch, in Peinlichkeit und Scham versteckt und verschwiegen, zu einem Familiengeheimnis werden. So kann das Kind sich darüber nicht äußern, muß alles in sich verbergen und gerät so noch mehr in ein Gefühl der Aussichtslosigkeit und Resignation.
  • Auch psychische Gewalt kann zerstören. Dazu gehören z.B. Erniedrigungen, Verspottungen, Entwertungen, übermäßige Kontrolle und Einengung und auch Aussagen wie: "Man hätte dich besser abgetrieben" oder "wenn ich gewußt hätte, wie du bist, hätte ich dich nicht geboren."
    Ganz offenkundig häufen sich solche Familienkonstellationen in der Vorgeschichte der Jugendlichen. In unserer Arbeit können wir die Entwicklung bis hin zu einem Selbstmordversuch deutlich nachzeichnen und nachvollziehen. Man kann sehen, dass sich in den Familien ein starkes Gewalt - und Aggressionspotential aufgestaut hat, das sich in einem Selbstmordversuch entlädt.
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Jugendliche Krisen

Krisen im Jugendalter

  • Notwendigkeit jugendlicher Krisen
  • Notwendige Bedingungen zur Bewältigung von Krisen
  • Bedrohliche Krisen

 

Notwendigkeit jugendlicher Krisen


Die "normalen", d.h. notwendigen Prozesse der Selbstwerdung und Selbstfindung im Jugendalter sind an sich schon als eine Lebenskrise zu verstehen. Es ist eine Krise, die die zentralen Bereiche des Menschen, die Persönlichkeit oder das Selbst, zu ihrem Thema hat. Eine Krise ist als ein Prozeß zu verstehen, der sich langsam oder schnell zuspitzt. Alle Methoden und Strategien, ein Problem zu bewältigen, haben versagt oder versagen. Es kommt zu einer Ansammlung, einer Ballung verschiedener Gefühle, die als spannungsreich und unerträglich empfunden werden. Jeder Mensch erlebt solche Prozesse im Laufe der Entwicklung. Er wird dadurch gezwungen, Altes aufzugeben, da es nicht mehr weiterhilft, und neue Möglichkeiten in sich selbst und in seiner Umwelt zu entwickeln und einzusetzen.
Ursprünglich bedeutet der aus dem griechischen kommende Begriff "Krise" "Entscheidung".
Eine Krisenzeit ist eine Zeit großer Labilität, aber auch großer Offenheit für Neues, eine Zeit großer Wandlungsfähigkeit, aber auch erhöhter Anfälligkeit, Verletzlichkeit und Kränkbarkeit. Sie beinhaltet sowohl entwicklungsfördernde Momente - ist insofern ein kreativer Prozeß - als auch zerstörerische oder selbstzerstörerische Tendenzen.

Notwendige Bedingungen zur Bewältigung von Krisen

Die Krise des Jugendalters, deren Inhalt die Erschütterung der gesamten Persönlichkeit, des Selbstwertgefühls, der äußeren Werte und Sicherheiten ist, kann nur dann erfolgreich bewältigt werden, wenn der Mensch in seinem bisherigen Leben eine innere Sicherheit und Stabilität, sozusagen einen "Selbstkern" entwickeln konnte, der dann die Basis bildet, um diese Erschütterungen aushalten zu können. Im Jugendalter werden außerdem vermehrt Anforderungen nach Selbständigkeit, Zukunftsplanung etc. durch die Umwelt, besonders durch die Eltern, an die Jugendlichen herangetragen. Die Umgebung, der Freundeskreis, aber vor allem die Beziehung zu den Eltern müssen relativ stabil, d.h. nicht grundsätzlich fragwürdig sein. Besteht die Gefahr, die Zuwendung der Eltern ganz zu verlieren, wenn die Ablösung beginnt, ist dieser Schritt kaum zu bewältigen. Die Anforderungen, die durch die weitere Umwelt, die Schule, Ausbildung, die Gesellschaft an die Jugendlichen herangetragen werden, können unter bestimmten Bedingungen zu einer Überforderung werden und zu einer weiteren Verunsicherung beitragen. Eine Schulbildung, die vor allem Leistungs-und Konkurrenzdenken fördert und weniger Gewicht auf die inneren Wachstums- und Reifungsprozesse des Individuums legt, sowie eine Gesellschaft, die mit der Umwelt und der Zukunft gleichgültig und zerstörend umgeht, kann den Heranwachsenden wenig Verständnis, Sicherheit und Mut für die Zukunft vermitteln.

Bedrohliche Krisen

Instabile äußere und innere Bedingungen des Lebens für die Jugendlichen und die Familien, aber auch rigide und unflexible Einstellungen und Verhaltensweisen können dazu führen, dass die Entwicklungskrise sich zu einer Krise ausweitet, die die psychische und physische Gesundheit bedroht. Probleme aus der Entwicklungsgeschichte des einzelnen und auch der Familie, die bisher erfolgreich verdrängt werden konnten, kommen nun massiv an die Oberfläche, verstärken die innere Spannung und führen zum Anwachsen des Unbehagens und der Angst. Die ganze Person kann dann als grundsätzlich bedroht erlebt werden. So wird das Nachdenken über den Sinn des Lebens zu immer mehr Zweifel über sich selbst bis zur Verzweiflung über dieses Leben.
Hoffnungslosigkeit, Resignation, Wut, die nicht mehr ausgedrückt werden kann, Rückzug von anderen, Einsamkeit und zunehmende Sprachlosigkeit verdichten sich, werden zu einem inneren Chaos, das dann in einem Selbstmordversuch seinen - oft zunächst schwer verständlichen - Ausdruck findet.

 

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Erklärungsansätze

Erklärungansätze zur Entstehung von Suizidabsichten und -handlungen

  • Soziologischer Erklärungsansatz
  • Medizinisch-psychiatrischer Erklärungsansatz
  • Psychoanalytischer Erklärungsansatz
  • Kommunikationstheoretischer Erklärungsansatz

 

Erklärungansätze zur Entstehung von Suizidabsichten und -handlungen

Die Auseinandersetzung mit Selbsttötung und Selbsttötungversuchen hat die Menschheit im Laufe der Geschichte immer wieder beschäftigt. Das Thema Selbsttötung ist nicht nur in der medizinisch - psychiatrischen Wissenschaft behandelt worden. Die Kultur - und Literaturgeschichte hat sich, wie auch die Religionswissenschaften, die Soziologie und die Psychologie, in vielfältiger Weise mit diesem Thema auseinandergesetzt. Bereits in der Mythologie gehört der Selbsttötung zu den Ereignissen, die eine Tragödie einleiten oder auch beenden können.

Soziologischer Erklärungsansatz

Die erste Bibliographie über den Selbsttötung erschien 1890 von Emilio Motta in italienischer Sprache. Im Jahre 1927 erschien, herausgegeben von Hans Rost, die erste deutschsprachige Bibliographie des Selbsttötungs.
Die Soziologie hat sich sehr früh der Erforschung des Suizides zugewandt. Die auch heute noch bedeutsame Arbeit "Der Selbsttötung" von Emile Durkheim (1897) beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Entwicklung der Suizidhäufigkeiten. Durkheim kommt zu dem Schluß, dass die Suizidhäufigkeit um so größer ist, je mehr die gemeinsamen Werte in einer Gesellschaft auseinanderfallen und an Bedeutung verlieren; demgegenüber fällt die Suizidrate, wenn die Gesellschaft in hohem Maße gemeinsame Werte hat. Durkheim berichtete bereits 1896 von der relativ hohen Zahl von Kinder -/ Jugendlichensuiziden in Städten und schreibt: "Man darf nämlich nicht übersehen, dass auch das Kind sozialen Bedingungen unterworfen ist, die es durchaus zum Selbsttötung bestimmen können. Was diesen Einfluß sogar in dem vorliegenden Fall kennzeichnet, ist die Tatsache, dass Selbsttötunge von Kindern je nach Milieu verschieden sind. Sie sind nirgends so zahlreich wie in den großen Städten. Es ist doch so, dass das Leben in der Gesellschaft auch für das Kind früh anfängt, wie die Frühreife des kleinen Städters zeigt. Er ist früher und vollständiger der Zivilisation ausgesetzt und spürt früher und vollständiger ihre Wirkung. Daher kommt es auch, dass in den zivilisierten Ländern die Zahl der KinderSelbsttötunge mit beklagenswerter Stetigkeit wächst" (Durkheim, 1897, S. 95f).
Die soziologische Untersuchung der Verteilung von Suiziden in Städten war in den 20/30 iger Jahren Inhalt der Forschung der Chicagoer Schule, wobei eine Suizidhäufung in den Zentren großer Städte festgestellt wurde.

Medizinisch-psychiatrischer Erklärungsansatz

Die Psychiatrie hat sich bei der Behandlung Suizidaler lange Zeit auf die Vergabe von Psychopharmaka beschränkt. Durch Psychopharmaka und klinische Unterbringung allein ist jedoch der Suizidgefahr nicht zu entkommen, wie die hohe Zahl von Kliniksuiziden beweist. Die Suizidprophylaxe gewann erst spät an Bedeutung.
Die psychiatrische Grundauffassung, dass der Suizid der "Abschluß einer krankhaften Entwicklung" sei, wurde von dem Wiener Psychiater Prof. Dr. Erwin Ringel Anfang der fünfziger Jahre formuliert.
Ringel untersuchte 750 Krankengeschichten von suizidalen Patienten und formulierte aus den psychiatrisch beschriebenen Auffälligkeiten das präsuizidale Syndrom, eine Entwicklung, die schon einige Zeit vor dem Suizidversuch einsetzt und als Alarmzeichen einer suizidalen Gefährdung gesehen werden kann.
Das präsuizidale Syndrom umschreibt eine Trias aus Einengung, Aggressionsumkehr und Suizidphantasien. Die Einengung beschreibt eine regressive Bewegung, in der sich innere und äußere Entwicklungsmöglichkeiten immer mehr reduzieren, die Gefühlswelt zunehmend von Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit bestimmt ist. Sie umfaßt eine affektive Einengung, sowie eine Einengung der Beziehungen mit der Tendenz zur Entleerung und Entwertung der Beziehungen.
In Verbindung mit einer gehemmten und gegen die eigene Person gerichteten Aggression kommt es zur Flucht in Selbsttötungphantasien, die immer drängenderen Charakter annehmen. "In der Verfassung sein, die das präsuizidale Syndrom beschreibt, heißt, dass es nur noch ein Thema gibt, das den Menschen leidenschaftlich bewegt, seine Selbsttötung oder besser gesagt, die phantasierte Rettung seines Selbst durch die Vernichtung der Identität im Suizid" ( Schnell, 1993, S.149 ). Die diesem Modell zugrundeliegenden psychoanalytischen Erkenntnisse fließen in Ringels eigener Arbeit in der Selbsttötungprophylaxe ein.

Psychoanalytischer Erklärungsansatz

Die Psychologie hat sich dem Problem der Depression und des Selbsttötunges mit der Arbeit von Freud zu "Trauer und Melancholie" (1916) und in bezug auf Kinder und Jugendliche mit der Debatte über die SchülerSelbsttötunge in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zum Beginn dieses Jahrhunderts angenommen. Die Psychoanalyse verstand den Selbsttötung zunächst hauptsächlich im Zusammenhang mit einer depressiven Störung. Der Depressive ist an einen Menschen in ambivalenter Weise (in Liebe und Haß) gebunden. Kommt es zu einem realen oder phantasierten Verlust des Objekts, kann die entstehende Aggression nicht nach außen gerichtet werden. Vielmehr wird das ambivalent besetzte Objekt in das Ich introjiziert. Die Aggression, die dem Objekt gilt, wird dann gegen das Selbst gewandt und äußert sich in Selbstanklagen, Selbstvorwürfen und Suizidalität.
Spätere analytische Arbeiten setzen sich intensiv mit der narzistischen Krise als Ausgangspunkt suizidaler Handlungen auseinander (vgl. Henseler, 1974). Entscheidender Faktor ist dabei nicht mehr die nach innen gerichtete Aggression, sondern die Beeinträchtigung des narzißtischen Gleichgewichts als Regulativ des Selbstwertgefühls in der suizidalen Krise. Der Mensch in der narzißtischen Krise ist in seinem Selbstwertgefühl so stark beeinträchtigt, dass alle Verluste und Kränkungen als Katastrophe erlebt werden. Das narzißtische Gleichgewicht, d.h. die grundsätzliche Überzeugung trotz aller Versagens - und Kränkungserlebnisse ein akzeptabler Mensch zu sein, ist zunehmend labil geworden und droht zusammenzubrechen. Das Gefühl, nichts wert zu sein, nichts mehr leisten zu können, für niemanden mehr wichtig zu sein, wird immer dominanter. Ständig durch das Erleben von Hilflosigkeit und Ohnmacht, von der Angst sowie dem Schwinden aller Hoffnungen bedroht, wird versucht, sich durch den Rückzug aus sozialen Kontakten vor dem weiteren Zusammenbruch zu schützen. Der Suizidale sieht sich dem Leben in der Auseinandersetzung und Konflikthaftigkeit nicht mehr gewachsen. Konflikte werden als unerträgliche Zumutung äußerer Lebensumstände oder Bezugspersonen empfunden.

Kommunikationstheoretischer Erklärungsansatz

Vom Standpunkt der Kommunikationtheorien wird dem Appell-Charakter des Suizidversuches besondere Bedeutung beigemessen. Die suizidale Handlung wird als Kommunikationsversuch verstanden; es soll jemandem etwas mitgeteilt werden, was nicht in Sprache gefaßt werden kann. Alle Erfahrungen weisen darauf hin, dass in dem Prozeß der Entwicklung bis zum Suizidversuch mehrere Faktoren wirksam werden. Die Schwierigkeit, aggressive Regungen gegen andere Menschen bei sich selbst zu akzeptieren und deutlich werden zu lassen, geht einher mit einer zunehmenden Verunsicherung des Selbstbewußtseins und Selbstwertgefühls. Gleichzeitig wird eine Beziehungsstörung wirksam, die es immer schwieriger macht, sich selbst zu verstehen und sich anderen Menschen verständlich zu machen. Der Selbsttötung wird dann zu einem Zeichen, einem Appell, der die abgebrochene Kommunikation wieder herstellen soll. Die Drohung, durch einen Suizid jede Beziehung abzubrechen, zielt paradoxerweise darauf, Beziehungen neu zu beleben.
Suizidalität ist keine Krankheit, sondern Symptom einer zugrundeliegenden Beziehungsstörung, die in ihrem Ausmaß und in ihrer Dynamik in sehr unterschiedlicher Weise gestaltet sein kann.

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Suizidgefährdung

  • Zum Ausmaß der Suizidalität
  • Ursachen suizidalen Verhaltens
  • Signale und Alarmzeichen
  • Wichtige Punkte bei der Beratung von Suizidgefährdeten
  • Was brauchen Kinder und Jugendliche?

 

Zum Ausmaß der Suizidalität

In der Bundesrepublik Deutschland (alte und neue Bundesländer) haben sich im Jahr 2005 insgesamt 10260 Menschen (das sind mehr Suizidtote als Verkehrstote, Drogentote und Aidstote zusammen) das Leben genommen.
Davon waren unter 10 Jahren:1, 10 bis unter 15 J.: 24, 15 bis unter 20 J.: 314, 20 bis unter 25 J.: 436. Durch Erhängen und durch Sprung aus der Höhe sterben die meisten Menschen, die sich das Leben nehmen. Im Vergleich zu diesen Methoden sind bei den Suizidversuchen die Vergiftungen am häufigsten. Annähernd zwei Drittel aller Suizide werden von Männern begangen. Dies ist auch bei den Jugendlichen entsprechend.

Über Suizidversuche werden keine amtlichen Statistiken geführt. Eine Erfassung aller Suizidversuchshandlungen ist zudem sehr schwierig, weil nur ein Teil der suizidalen Handlungen, z. B. die, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, bekannt wird. Viele Suizidversuchshandlungen bleiben völlig unbehandelt und damit unbekannt. So kommen die Untersuchungen zur Häufigkeit von Suizidversuchen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Einigkeit besteht jedoch in generellen Aussagen wie der Feststellung, dass die Zahl der Suizidversuche in der Gruppe junger Menschen am höchsten ist. Man kann davon ausgehen, dass die Suizidversuche über alle Altersklassen hinweg ca. zehnmal so häufig sind wie die Suizide. Für die Gruppe junger Menschen kann man davon ausgehen, dass ca. 20 - 30 Suizidversuche auf einen Suizid kommen.

Suizidversuche werden zu zwei Dritteln von Frauen begangen. Wir verstehen Suizidversuche als einen Schrei nach Hilfe, so dass wir davon ausgehen, dass Frauen eher als Männer auch in zugespitzten Situationen in der Lage sind, um Hilfe zu rufen. Männer scheinen demgegenüber ihrer klassischen Rolle zu erliegen und seltener Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie kommen auch deutlich weniger in Beratungseinrichtungen.

Ein großes Problem besteht in der statistischen Erfassung und der damit verbundenen Dunkelziffer.

Die Berliner Ärztin Dr. Annemarie Wiegand stellte in einer Untersuchung der Todesfälle durch Suizid und ungeklärter Todesfälle fest, dass seit Mitte der 70er Jahre bei einem erheblichen Rückgang der Suizide die Zahl der Fälle mit ungeklärter Todesursache rasant anstieg. Nach Wiegand ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich unter den ungeklärten Todesfällen viele nicht erkannte Suizide befinden.

Eine neue Untersuchung von Dr. Schmidtke aus Würzburg kommt bei der Auswertung von Zeitreihen der Suizide junger Menschen zu dem Ergebnis, dass sich die positive rückläufige Entwicklung bei den Suiziden junger Menschen bei genauer Betrachtung als ein Artefakt herausstellt, da die erhebliche Zunahme von Todesfällen durch Drogen und durch Verkehrsunfälle bei jungen Menschen eine erheblich gestiegene Zahl verdeckter Suizide beinhaltet.

Auch wenn die Zahl der Suizide insgesamt sehr hoch ist, so sind dennoch Berichte von einem dramatischen Anstieg der Suizide zu verneinen.

Ursachen suizidalen Verhaltens

Zu Pubertät und Adoleszenz gehören Krisen. Ablösung, Brüche, Trennungen, körperliche Veränderungen, die Unsicherheit auslösen. Ambivalente Wünsche nach Unabhängigkeit und gleichzeitig nach Nähe und Geborgen-heit bedeuten Wechselbäder der Gefühle. Fragen wie: Warum lebe ich eigentlich? Werde ich überhaupt geliebt? Warum soll ich erwachsen werden? Wäre es nicht besser, mit allem Schluss zu machen? sind in dieser Zeit normal.

Es wird davon ausgegangen, dass mindestens zwei Drittel der Jugendlichen Suizidgedanken kennen. Wer ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln konnte, wird diese Zeit in der Regel unbeschadet überstehen.

Gefährdet sind diejenigen, die

  • in der Familie ungewünscht und ungewollt, emotional verwahrlost sind,
  • abgelehnt oder überfordert werden,
  • in einer gespannten Familienatmosphäre aufwachsen,
  • Gewalterfahrungen (physisch und/oder psychisch) machen,
  • als Partnerersatz fungieren müssen,
  • bereits mehrere Trennungen und Brüche erfahren haben. Diese lang andauernden Belastungsfaktoren bestimmen das Lebensgefühl der suizidgefährdeten jungen Menschen. Sie sind die Ursache für suizidales Verhalten.

Suizidale Menschen hatten häufig nicht die Möglichkeit, ein "stabiles Ich", einen "inneren Kern" zu entwickeln.

Auslöser sind aktuell belastende Situationen wie Liebeskummer, Trennung von Freund oder Freundin, Scheidung der Eltern, Todesfälle in der Familie, Gewalterfahrungen, Schulversagen. Solche Erfahrungen, kön-nen der letzte Tropfen" sein, der "das Fass zum Überlaufen bringt“.

Für die Außenstehenden wirken diese Anlässe oft banal und unverständlich. "Wegen so etwas bringt man sich doch nicht um". Für den Suizidgefährdeten sind sie aber auf dem Hintergrund seiner sonstigen Erfahrungen so kränkend und beschämend, dass er das Gefühl hat, damit nicht weiterleben zu können.

Empfindungen suizidaler Menschen

Suizidales Verhalten ist der Ausdruck einer Beziehungsstörung.

Suizidgedanken entstehen in Verbindung mit anderen Menschen. Negative Erfahrungen und Erlebnisse verdichten sich bei suizidalen Menschen zu einem Gefühl der Wertlosigkeit, sie fühlen sich oft ungeliebt, überfordert, hilflos, eingeengt. Sie empfinden ihre Probleme als unlösbar. In der Phantasie türmt sich vor ihnen ein unüberwindlicher Berg von Problemen auf und hinter ihnen droht der Abgrund.

Suizidales Verhalten ist ebenso ein Kommunikationsversuch, es ist der Versuch, mit anderen in Kontakt zu treten, den anderen zu zeigen, ,ich weiß nicht mehr weiter", der Wunsch, bemerkt zu werden. Er wird als Hilferuf ausgesandt, der dringend einen Empfänger sucht.

Die meisten jungen Menschen, die einen Suizidversuch unternehmen, wollen nicht wirklich tot sein, sie wollen ihre Ruhe haben, alle Probleme los sein. "Ich will eigentlich leben, aber so wie jetzt kann ich nicht mehr', ist ein häufiger Ausspruch. Oft nehmen sie das Risiko, an einem Suizidversuch zu sterben, in Kauf.

Jeder Suizidversuch sollte ernst genommen werden, auch wenn er nicht zu einer tatsächlichen Lebensbedrohung geführt hat. Die Erfahrung zeigt: wenn auf einen Suizidversuch kein Hilfsangebot folgt, wächst die Gefahr erneuter, lebensbedrohlicherer Versuche.

Suizidalität ist nicht erblich. Es gibt aber Familien, in denen sich Suizide oder Suizidversuche über mehrere Generationen hinweg häufen. Suizidales Verhalten wird in diesen Familien als "Problemlösungsstrategie" weitergegeben.

Ein Suizidversuch ist in den meisten Fällen kein Ausdruck einer psychiatrischen Erkrankung, sondern einer gravierenden Lebenskrise. Die Abgrenzung von dem Vorliegen eines psychiatrischen Notfalls z.B. bei akuten Psychosen, ist aber in der Praxis sehr wichtig. Beratungsstellen und Kriseneinrichtungen, die auf das Thema Suizidalität spezialisiert sind, können um Rat gefragt werden!

Signale und Alarmzeichen

Suizidgefährdung ist auf den ersten Blick nicht ohne weiteres zu erkennen.

Verschiedene Signale und Alarmzeichen können Hinweise auf eine mögliche Gefährdung geben.

  • Soziale Isolierung

Suizidgefährdete Menschen ziehen sich häufig aus ihren bisherigen Beziehungen zurück. Bestehende Freund-schaften oder Beziehungen werden vernachlässigt oder abgebrochen. Für andere ist dieses Verhalten oft nicht nachvollziehbar.

  • Aggressiv abwehrendes Verhalten

Die destruktiven Gefühle eines Suizidgefährdeten führen manchmal zu aggressivem, abwehrenden Verhalten gegen die Außenwelt. Sind die Reaktionen der anderen ebenso aggressiv, verstärken sich die negativen Gefühle.

  • Stimmungsschwankungen

Die Stimmungen wechseln häufig zwischen übermütig überdreht und depressiv.

  • Veränderung der äußeren Erscheinung

Mimik, Gestik, Stimme wirken ausdrucksarm, die äußere Erscheinung wirkt, anders als sonst, vernachlässigt.

  • Änderung des Essverhaltens mit starker Zu- oder Abnahme des  Gewichts
  • Weglaufen von zu Hause
  • Vermehrter Alkohol, Drogenkonsum
  • Selbstverletzungen (Ritzen, Schneiden, Verbrennungen)
  • Vernachlässigung von bisherigen Interessen
  • Leistungsabfall, Schulverweigerung
  • Verbale Äußerungen

"Mir ist sowieso alles egal", "Es wäre für alle besser, wenn es mich nicht mehr geben würde", "ich will nur noch in Ruhe gelassen werden"...

  • Schriftliche Äußerungen

Testamentarische Verfügungen, Gedichte, Schulaufsätze, die sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen, Abschiedsbriefe

  • Zeichnungen und Symbole

Schwarze Kreuze, Gräber, deprimierende Bilder

  • Philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Suizid
  • Konkrete Handlungen

wie das Sammeln von Tabletten, Beschäftigung mit der Wirkung von harten Drogen, Verschenken liebgewordener Sachen oder Haustiere

  • Körperliche Symptome

Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schwindelgefühle

Das Auftreten einzelner der genannten Alarmzeichen muss kein Hinweis auf eine Suizidgefährdung sein. Es können Hinweise sein, besonders wenn eine Häufung wahrgenommen wird.
Ob tatsächlich eine Gefährdung besteht, kann ich nur erfahren, wenn ich das Gespräch suche, wenn ich den Mut habe, konkreter nach Suizidgedanken zu fragen.

Wichtige Punkte bei der Beratung von Suizidgefährdeten

Das Thema Suizidalität ist immer noch ein Tabuthema, das zahlreiche Emotionen weckt.

Vor einem möglichen "Krisengespräch" ist es sinnvoll, sich mit seinen eigenen Gefühlen zum Thema Suizid auseinander zu setzen. Gefühle von Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ärger, Wut oder Schuldgefühle werden na-türlicherweise in demjenigen ausgelöst, der mit einem suizidalen Menschen konfrontiert ist. Sie sind es wert, wahrgenommen und ernst genommen zu werden. Während des Gesprächs ist es für uns selbst wichtig, mit diesen Gefühlen "in Kontakt' zu bleiben, die empfundene Angst um den anderen auch zu äußern, die eigenen Grenzen zu spüren. Allgemeingültige Rezepte für den Umgang mit suizidgefährdeten Menschen gibt es nicht, aber es gibt hilfreiche Leitlinien.

Vermieden werden sollte:

  • Mit dem suizidalen Menschen über den Sinn oder die Legitimation zu diskutieren.
  • Konkrete Lösungsvorschläge zu machen oder dem anderen die eigenen Vorstellungen vom Leben aufzudrängen.
  • Dem anderen die Verantwortung für sein Leben abnehmen zu wollen.
  • Aus Angst in Panik oder Aktionismus zu verfallen.
  • Sich in Schweigeversprechen einbinden zu lassen.
  • Angebote zu machen, die nicht eingehalten werden können.
  • Sich unter Druck setzen zu lassen.

Wichtig und hilfreich ist:

  • Dem anderen ruhig zuhören, geduldig und aufmerksam sein.

Konkret nach Suizidgedanken fragen:

  • Gibt es schon konkrete Vorstellungen (Wie, wann, wo?)
  • Was treibt Sie aus dem Leben?
  • Wer wird am meisten traurig sein?

(Wichtig für das Verständnis der Dynamik im Hintergrund. Es macht einen Unterschied, ob jemand glaubt, niemand würde ihm eine Träne nachweinen oder ob er meint, die anderen (z.B. ein Elternteil) würde seinen Suizid selbst nicht überleben.)

Je konkreter die Suizidgedanken sind, desto größer ist die Gefahr, desto mehr Handlungsbedarf besteht.

  • Wie stabil ist das "soziale Netz"?
  • Was könnte Sie im Leben halten?
  • Wie müsste das Leben sein, damit Sie weiterleben könnten?
  • Die Suizidphantasien zulassen und dem anderen zeigen "ich bin belastbar genug, ich lasse mich nicht mit in den Sog ziehen".
  • Begrenzte aber zuverlässige weitere Gesprächsangebote machen.

Die Angst, durch das Fragen nach Suizidgedanken den anderen erst auf den Gedanken zu bringen, sich das Leben zu nehmen oder einen Suizidversuch auszulösen, ist unbegründet!

Niemand wird durch Fragen danach auf den Gedanken kommen, wenn er sich nicht bereits damit beschäftigt hat. Das konkrete Nachfragen ermöglicht im Gegenteil, eine Chance zur Entlastung zu schaffen.

Es sind nicht die Gefühle des Gefährdeten, sondern die eigenen, die das konkrete Nachfragen verhindern.

Die Arbeit mit suizidgefährdeten Menschen gehört zu den belastendsten in der Beratungsarbeit. Es ist deshalb legitim, wenn sich die Berater selbst Rat und Unterstützung bei entsprechenden Einrichtungen holen.

Was brauchen Kinder und Jugendliche?

Kinder und Jugendliche brauchen vor allem:

  • stabile Beziehungen,
  • das Bewusstsein, wertvolle Menschen zu sein,
  • Achtung vor dem eigenen Leben und dem des anderen,
  • Möglichkeiten der konflikthaften Auseinandersetzung und
  • die Erfahrung von Grenzen, ohne entwertet zu werden.
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Rechtliche Aspekte

  • Die Selbsttötung
  • Die Teilnahme (Anstiftung oder Beihilfe) an einer Selbsttötung
  • Nicht Einschreiten bei einem Selbsttötungsversuch – Tötung auf Verlangen durch Unterlassen
  • Selbsttötung und unterlassene Hilfeleistung

 

Die Selbsttötung

Eine Person die einen Selbsttötungsversuch begeht, wird in Deutschland nicht strafrechtlich verfolgt. Die Selbsttötung stellt keine Straftat dar.

Die Teilnahme (Anstiftung oder Beihilfe) an einer Selbsttötung

Teilnahmehandlungen, wie beispielsweise die moralische Unter-stützung oder das Besorgen von Hilfsgegenständen wie einem Strick sind nicht strafbar. Sobald der „Helfer“ jedoch einen Teil der Suizidhandlung übernimmt, macht er sich strafbar. Beispiele hierfür können das Verabreichen von Gift oder das Abfeuern der Waffe sein. Diese Taten erfüllen den Tatbestand der „Tötung auf Verlangen“.
Eine Straftat besteht zudem, wenn eine Person eine andere zu einer Selbsttötung durch Bedrohung zwingt oder sie durch eine Täuschung dazu veranlasst. Der Suizidwunsch muss selbstständig und eigenverantwortlich entstanden sein.

Nicht Einschreiten bei einem Selbsttötungsversuch – Tötung auf Verlangen durch Unterlassen

SDie Möglichkeit sich der Tötung auf Verlangen durch Unterlassung strafbar zu machen besteht nur, wenn eine Garantenpflicht (z.B. Angehörige, Betreuer, Ärzte etc.) besteht. (Bei einer fehlenden Garantenpflicht besteht nur die mögliche Strafbarkeit aufgrund unterlassener Hilfeleistung.)
Der Tötung auf Verlangen durch Unterlassung macht sich eine Person nur dann strafbar, wenn der Suizidant die „Tatherrschaft“ über die Situation verliert. D.h. wenn der Suizidant, beispielsweise durch Bewusstlosigkeit, handlungsunfähig geworden ist. In so einem Fall wird von der anderen Person erwartet Hilfe zu leisten und den Tod des Suizidanten abzuwenden.

Selbsttötung und unterlassene Hilfeleistung

Im Allgemeinen ist man in einem Unglücksfall zur Hilfeleistung verpflichtet sofern diese Hilfe zumutbar ist. Da bei einem Selbsttötungsversuch nicht direkt von einem Unglück gesprochen werden kann (zumindest nicht davor, da dieser im Regelfall geplant wurde) ist es umstritten inwieweit man sich der unterlassenen Hilfeleistung strafbar macht, wenn man nicht einschreitet. Da keine eindeutige Regelung in Deutschland vorliegt, ist eine Anklage aufgrund unterlassener Hilfeleistung nicht auszuschließen.

 

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