Eine Fortbildung zum Thema Nervensystem, Körperwissen und psychosoziale Beziehungspraxis
Im täglichen Handlungsfeld psychosozialer Fachkräfte sind Belastungen, Eskalationen und Beziehungsbrüche keine Seltenheit. Diese haben unmittelbare Auswirkungen auf unseren Körper: beschleunigter Herzschlag, verhärtete Schultern, stockender Atem. Unser Nervensystem entscheidet bei Herausforderungen unmittelbar mit Kampf, Flucht, Erstarren oder Kontakt, lange bevor intervenierende Methoden greifen. Hinter diesen körperlichen Reaktionen liegt kein persönliches Versagen. Es ist unser Nervensystem, das versucht, uns zu schützen. Ist unser Körper im Berufsalltag nicht reguliert, kann keine professionelle Beziehung gestaltet werden. Das Regulieren des Nervensystems ist erlernbar und führt zu einem resilienten Wirken mit Effekt auf die Beziehungsarbeit. Denn: Resilienz beginnt im Körper – und wird in Beziehung gehalten.
Die Fachkräfte erlangen in diesem zweitägigen Workshop Kenntnisse in:
- Wahrnehmen und Verstehen der Signale des eigenen Nervensystems - Mikro-Interventionen zur alltagstauglichen Selbstregulation - Gestaltung bewusster und professioneller Co-Regulationen durch u.a. Erkennen - Setzen und Halten von körpereigenen Grenzen - Umsetzung für die Klient*innenarbeit und das Team für langfristig resilientes Handeln
Resilienz wächst nicht durch Stärke, sondern durch Beziehung - zu uns selbst und anderen.
Methoden
- kurze Theorieimpulse (Polyvagal / Neurophysiologie) - Live-Visualisierung durch Sketchnotes - Körperübungen im Sitzen/Stehen - Atemarbeit - Arbeit mit inneren Bildern & Metaphern - strukturierte Reflexions- & Austauschformate
Innere Bilder werden als somatosensorische Anker genutzt. Sie binden Wahrnehmung, Affekt, Handlung und stabilisieren die Regulation. Lernen ist erfahrungsorientiert und körpernah – nicht rein kognitiv.
Kursleiter*in:
Marvin Deja, B.A Tanz und Bewegungspädagogik in Sozialer Arbeit, Kinderschutzfachkraft (IseF Zertifikat / 28.11.2025), Somatic Experiencing (in Ausbildung)
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Wahrnehmen und Verstehen der Signale des eigenen Nervensystems
Mikro-Interventionen zur alltagstauglichen Selbstregulation
Umsetzung für die Klient*innenarbeit und das Team für langfristig resilientes Handeln
Menschen in suizidalen Krisen begegnen uns Fachkräften in der psychiatrischen und psychosozialen Arbeit regelmäßig. Diese Situationen sind oft emotional herausfordernd und können auch bei erfahrenen Profis Gefühle von Unsicherheit, Angst oder Hilflosigkeit auslösen. Wie und was darf ich fragen? Wie schätze ich die aktuelle Gefährdung ein? Wie kann ich für die Betroffenen ein hilfreiches Gegenüber sein? Auch die Frage der professionellen Verantwortung erfasst uns in der Begegnung mit suizidalen Klient*innen ganz direkt. Die Fortbildung bietet eine fundierte und praxisorientierte Auseinandersetzung mit der professionellen Begleitung suizidaler Menschen. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu gewinnen und die eigene fachliche Kompetenz im Umgang mit suizidalen Krisen zu stärken.
Inhalte der Fortbildung: • Erkennen möglicher Warnsignale suizidaler Krisen • Gesprächsführung und das Erfragen suizidaler Gedanken – mit praktischen Übungen im Rollenspiel • Aspekte der Gefährdungseinschätzung anhand von Fallbeispielen • Rechtliche Rahmenbedingungen und professionelle Verantwortung • Entwicklung hilfreicher Strategien im Umgang mit suizidalen Menschen im eigenen Arbeitsfeld • Aspekte der Beziehungsgestaltung und Bedeutung der professionellen Haltung
Die Fortbildung folgt einem strukturierten, suizidpräventiven Ansatz. Sie verbindet theoretisches Wissen mit konkreten Handlungsmöglichkeiten und schafft Raum für Reflexion und Austausch.
Kursleiter*in:
Dr. med. Ulrike Wegner, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Arche München
Zielgruppe:
Fachkräfte in psychosozialen und gesundheitlichen Arbeitsgebieten, Psychotherapeut*innen
Schwerpunkt:
Einschätzen von Suizidalität
Formen von Krisen und Suizidalität
Strategien im Umgang mit Menschen in Krisen und suizidalen Menschen
Diese Fortbildung ist Bestandteil der modularen Weiterbildung "Qualifizierung für die Jugendhilfe und junge Erwachsenenhilfe". Dieses Modul kann hier auch einzeln gebucht werden.
In den Einrichtungen der stationären Jugendhilfe werden wir immer wieder mit spezifischen Phänomenen konfrontiert, welche sich als Traumafolgen entwickelt haben. Der Umgang mit diesen „Störungen“ ist oftmals eine große Herausforderung: so erfordert der Aufbau einer stabilen Arbeitsbeziehung oder der Umgang mit starken Stimmungsschwankungen, Polarisierungen, Aggressivität oder selbstverletzendem Verhalten sowohl spezifisches Wissen und Verstehen als auch eine Traumasensible Handlungskompetenz. Im Seminar geht es um beides: Zum einen um die Vermittlung traumaspezifischer Kenntnisse, z.B. zu peri- und posttraumatischer Dissoziation als psychischen Schutzmechanismus. Zum anderen liegt der Fokus auf der Beziehungs- und Kontaktgestaltung. Der Umgang auch mit „schwierigen“ Klient*innen soll durch diese Grundlagen für die Teilnehmenden leichter werden.
Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung werden oft in der Gruppenbetreuung als schwer integrierbar wahrgenommen. Sie haben große Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten, ihr Leben scheint manchmal ausschließlich aus Krisen zu bestehen und sie sind in ihrem emotionalen Erleben und den daraus folgenden Handlungen äußerst wechselhaft und widersprüchlich. Bei all den Krisen besteht die Gefahr, dass der normale Alltag ganz verloren geht. Diese Jugendlichen können sich selbst oft kaum aushalten und verstehen und versuchen sich mit Selbstverletzungen und suizidalen Phantasien und Versuchen zu „retten“. Wenn sie ihr Leid zeigen können, lösen Sie bei manchen Mitarbeitenden ein starkes Mitgefühl und den Wunsch zu helfen aus und gleichzeitig auch Enttäuschung, Hilflosigkeit und Wut, wenn diese Hilfe nicht angenommen wird. Oft werden diese jungen Menschen von den verschiedenen Mitarbeitenden eines Teams sehr unterschiedlich wahrgenommen, was zu widersprüchlichen Meinungen führt, was denn nun zu tun sei. Dann wird die Fallbesprechung lang, die Verabredung einer gemeinsamen Strategie kaum noch möglich. Die fehlende Wertschätzung dieser jungen Menschen für sich selbst wird auf die Mitarbeitenden und die Gruppe/Institution projiziert mit der Gefahr, das Mitarbeitende persönlich sehr verletzt werden und ihre Grenzen überschritten werden. Junge Menschen mit Borderline-Störungen haben das Potenzial, Fachteams und ganze Helfersysteme zu sprengen.
Inhalte dieses Fortbildungstages:
-Modelle zum Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine Orientierung und Ordnung zum Verstehen der oben beschriebenen Prozesse -Statt Untergehen im Chaos: Hilfreiche Phasen, Strukturen und Haltungen auf dem Weg zu dem Ziel, eine haltende Beziehung zu erarbeiten -Die „sieben Fehler“ (Streek-Fischer) unterlassen -Was kann ich tun, um persönliche Verletzungen zu vermeiden und wie damit umgehen, wenn es trotzdem passiert? -Wie gelingt gegenseitige Unterstützung im Team/Helfersystem und „an einem Strick ziehen“ trotz Spaltungsangeboten der jungen Menschen?
Zu diesen Inhalten wird ein Input vermittelt. In der Arbeit mit den Fallbeispielen, die Sie mitbringen, werden die Inhalte auf ihre persönliche Situation bezogen und individuell bearbeitet.
Kursleiter*in:
Eckhard Flöring, Diplom Sozialpädagoge, Gestaltpsychotherapeut, langjähriger Praktiker in der spezialisierten Jugendhilfe und Eingliederungshilfe für junge Erwachsene
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Modelle zum Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsstörung
Kommunikation umfasst unser gesamtes Leben. Miteinander reden kann zu Verständnis führen aber auch zu Missverständnissen. Wir wünschen uns einen wertschätzenden Umgang miteinander, doch die Herausforderungen des Berufsalltags machen es uns manchmal schwer. Wir wollen in diesem Seminar gemeinsam der Frage nachgehen: Wie kann ich in schwierigen Situationen achtsam sein und eine wertschätzende Haltung mir selbst und anderen gegenüber aufrechterhalten? Grundvoraussetzungen für eine gelungene Kommunikation sind Selbstvertrauen und die Fähigkeit, den eigenen Standpunkt transparent zu vermitteln, sowie Feinfühligkeit und das Verständnis für andere Verhaltensweisen und Denkmuster. Der lebensbejahende Ansatz der “Gewaltfreien bzw. wertschätzenden Kommunikation“ kann Sie dabei unterstützen, sich der eigenen Werte bewusst zu werden und mit beruflichen Herausforderungen konstruktiv umzugehen. Die Fortbildung bietet Ihnen die Gelegenheit, ein Verständnis über die Bedeutung und die Zusammenhänge dieses Kommunikationsansatzes zu erlangen. Durch gezielte und abwechslungsreiche Übungen können Sie schwierige Situationen aus Ihrem Alltag analysieren und dabei die Prinzipien dieser Vorgehensweise entdecken. Es geht darum, sich offen und ehrlich zu begegnen und authentisch zu kommunizieren. Sehr viel Aufmerksamkeit wird in diesem Kurs auf die innere Haltung gelegt mit der wir uns und unseren Mitmenschen begegnen. Achtsame Kommunikation bereichert unser Leben, macht es lebendiger und ermöglicht uns offen und wertschätzend zu kommunizieren und auch in schwierigen Zeiten mit dem anderen in Kontakt zu bleiben.
Kursleiter*in:
Christine Warmuth, Diplom Sozialpädagogin (FH), Kommunikationstrainerin, Coach & Meditationslehrerin, Zertifizierte Trainerin (CNVC) für Gewaltfreie Kommunikation nach Dr. Marshall B. Rosenberg
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte, andere Interessierte
Schwerpunkt:
Verständnis für sich selbst und andere entwickeln
Einen Perspektivwechsel vorzunehmen
Kommunikationsfertigkeiten entwickeln und trainieren
Kommunikationsstrategien für den Alltag zu entwickeln
Krisen erscheinen fast schon alltäglich – und stellen doch eine Herausforderung dar, wenn unsere Klient:innen im psychosozialen Bereich urplötzlich oder schleichend „abstürzen“ und ihr ganzes Leben in Frage stellen – und uns Helfende gleich mit dazu! Nicht selten spitzen sich ihre Krisen derart zu, dass Suizidgedanken auftauchen oder sogar drängend werden – und versetzen das Hilfesystem in Alarmbereitschaft.
An zwei Tagen erwerben die Teilnehmer:innen praxisbezogenes Wissen, das in Kleingruppen und Rollenspielen vertieft wird. Sie erhalten ein Handwerkszeug für konkrete Interventionen, die auf die individuellen Arbeitsfelder übertragen werden können. Eigene Fälle sind willkommen!
Sie lernen in diesen Bereichen:
Wissensvermittlung
Entwicklungs- , Lebens- und traumatische Krisen zu unterscheiden
Wissen über Erscheinungsformen der Suizidalität kennen Ein Verständnis des Präsuizidalen Syndroms zu entwickeln
Die Suizidgefährdung einzuschätzen
Mit „manipulativer“ Suizidalität umzugehen und
Rechtliche Grundlagen aus PsychKG und BGB kennen
Maßnahmen der Klinikeinweisung und Unterbringung einzuleite
Schulung
Krisenanzeichen zu erkennen und einzuordnen
Die Vulnerabilität und Ressourcen ihrer Klient:innen einzuschätzen
Ein Modell der Krisenintervention in sechs Schritten anzuwenden
Risikogruppen und -merkmale zu identifizieren
Konkrete Vorgehensweisen bei akuter Suizidalität anzuwenden
„Weiterlebensverträge“ sinnvoll in der Praxis einzusetzen
die eigene emotionale Reaktion (Gegenübertragung) konstruktiv zu nutzen
Selbsterfahrung
Krisenhafte Erfahrungen aus der eigenen Biographie zu reflektieren, um sie zu nutzen
Im Sinn der Psychohygiene für sich zu sorgen und eigene Grenzen zu respektieren.
Haltungenentwickeln
Ein Krisenverständnis zwischen Gefahr und Chance zu entwickeln