Nach Expertenmeinung leiden professionelle Helfer*innen häufig an Traumata, ohne die zu Grunde liegenden Ereignisse selbst erlebt zu haben. Sie können von Gefühlen, die in der Begegnung mit traumatisierten Menschen ausgelöst werden, geradezu überwältigt sein. In der Resonanz hat das Trauma „ansteckende“ Wirkung und löst Belastungen aus, die als Sekundärtraumatisierung bezeichnet werden. Symptome einer sekundären Traumatisierung können ähnlich einer primären Traumatisierung sein. Diese sind u.a.: Gefühle von Erschöpfung, Müdigkeit, Zweifel am Sinn der Arbeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, sich taub fühlen und keine Freude mehr empfinden.
Ziele des Seminars sind Wahrnehmen und Erkennen von Traumatisierungen und Erproben von Techniken zur Bewältigung und Prävention von Sekundärtraumatisierung. Ausgehend von den Erfahrungen der Teilnehmer*innen wird die eigene praktische Psychohygiene im Mittelpunkt stehen.
Kursleiter*in:
Marianne van Kempen, Diplom Soziologin, Supervisorin (DGSv), Theaterpädagogin
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Wahrnehmen und Erkennen von Traumatisierungen
Erproben von Techniken zur Bewältigung und Prävention von Sekundärtraumatisierung
Die Arbeit mit psychisch belasteten Klient:*innen stellt hohe Anforderungen an Fachkräfte in der Jugendhilfe. Sie erfordert Einfühlungsvermögen, Resilienz sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstregulation. Begegnungen mit Klient*innen können dabei intensive Gefühle auslösen, die einerseits eine wertvolle Ressource für die Beziehungsarbeit darstellen, andererseits aber auch belasten sind und die fachliche Einschätzung beeinträchtigen können. Ein bewusster Umgang mit diesen emotionalen Erfahrungen ist daher entscheidend, um Jugendliche und ihre Familien kompetent und stabil begleiten zu können.
In diesem Seminar lernen Sie einen praxisnahen Rahmen auf Grundlage der Mentalisierungstheorie kennen. Er unterstützt Sie dabei, Ihre eigenen Toleranz- und Mentalisierungsfenster wahrzunehmen und persönliche Muster in Situationen emotionaler Überforderung zu erkennen. Anhand von Fallbeispielen reflektieren Sie verstrickte Dynamiken und erhalten Impulse und Strategien, um Denkraum und emotionalen Abstand zu gewinnen. In praktischen Übungen erproben Sie zudem Selbstregulationstechniken, die Ihnen helfen, Ihre emotionale Stabilität im Berufsalltag zu stärken und Ihre Arbeit mit belasteten Jugendlichen noch professioneller zu gestalten.
Kursleiter*in:
Gergana Karaboycheva, Ärztin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Ernst von Bergmann, Potsdam
Längst ist inzwischen klar, dass Selbstverletzendes Verhalten für die meisten Patient*innen eine Form der Selbstfürsorge, der Stress-Regulation ist. Darüber hinaus zeigen aber sehr viele Menschen mit erheblichen Problemen eine ausgeprägte Tendenz, sich selbst zu schädigen, sich das Leben unverständlich schwer zu machen und eine therapeutische Arbeit zur Förderung der Selbstfürsorge geradezu als Bedrohung zu erleben und zu bekämpfen. Im Seminar wird dieses Verhalten versucht zu verstehen, und es werden verschiedene Behandlungsansätze vermittelt. Themen sind: Selbstverletzendes Verhalten, Selbst-Feindlichkeit, Täterintrojekte bei komplexen Trauma-Folgestörungen, Arbeit mit Täter-Introjekten: Imaginatives Vorgehen, sokratisches Fragen, systemisches Verständnis.
Kursleiter*in:
Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Universität Kassel, Autor diverser Sachbücher
Diese Fortbildung ist Bestandteil der modularen Weiterbildung "Qualifizierung für die Jugendhilfe und junge Erwachsenenhilfe". Dieses Modul kann hier auch einzeln gebucht werden.
Auch wenn die Jugendlichen, die in der Wohngruppe leben, als Einzelne mit ihren besonderen Fragestellungen und Problematiken gesehen und betreut werden, so leben sie zugleich in einer Gruppe. Für viele ist gerade der Kontakt und das sich-in-Gruppen-bewegen eine zentrale Schwierigkeit ihres Erlebens, die sie oft nur schwer bewältigen können. Die Arbeit mit der Gruppe der Jugendlichen ist eine unvermeidbare Aufgabenstellung für die einzelnen Betreuer*innen und das Team, das ebenfalls eine Gruppe ist. Prozesse der Gruppendynamik wahrzunehmen und die Arbeit mit der Gruppe als aktiven Prozess zu gestalten, sich selbst als Teil der Dynamik in Betracht zu ziehen, bildet eine Grundlage auch für die Arbeit mit den einzelnen Jugendlichen und soll in diesem Modul vermittelt werden.
Bindungsmuster und deren Störungsbilder, Sensibilisierung und Umsetzung von Nähe und Distanz
Bindung gehört zum grundlegenden Bedürfnis aller Menschen. Sie ist ein wesentliches Element, um in der professionellen Begleitung von Menschen Einfluss auf die Entwicklung der zu Betreuenden zu nehmen. In der Praxis unserer Arbeit haben wir es vielfach mit bindungsgestörten Klient*innen zu tun, die sich abweisend, aggressiv und widersprüchlich verhalten. Um den Jugendlichen neue Bindungserfahrungen zu ermöglichen, braucht es einen klaren Blick auf Beziehungsdynamiken und mögliche Verstrickungen. Wer gesunde Grenzen in der Übernahme von Verantwortung für sich und den Klienten findet, kann leichter auf Grenzüberschreitungen reagieren, Überforderungssituationen auflösen und angemessene Formen des Kontaktes schaffen. Der kluge Umgang mit schwierigen Situationen ist immer auch ein kluger Umgang mit sich selbst.
Am ersten Tag geht es entsprechend um eigene Stärken und Ressourcen des Selbstkontaktes und der Selbstregulation sowie um innere Überzeugungen, die Räume für Begegnung öffnen bzw. blockieren.
Der zweite Tag beschäftigt sich mit schwierigen Alltagsituationen und dem Blick auf bindungsgestörte Klient*innen, um manipulative Beziehungsdynamiken zu erkennen und Nähe- und Distanzregulation zu üben.
Führungskräfte im psychosozialen Bereich stehen täglich vor der Herausforderung, komplexe Anforderungen zu koordinieren: eigene Ansätze und Werte, Erwartungen von Mitarbeitenden, institutionelle Rahmenbedingungen sowie externe Vorgaben. Diese Vielschichtigkeit souverän zu gestalten, ist Kern guter Führung. In dieser Fortbildung lernen Sie, Ihr Selbstmanagement zu schärfen und Ihre Handlungsfähigkeit gezielt zu erweitern. Ziel ist es, dass Sie Ihre Leitungsrolle klarer, effizienter und proaktiv ausfüllen – und dabei neue Energie für Ihre tägliche Praxis gewinnen.
Inhalte: · Zeitmanagement optimieren: den richtigen Zeitpunkt für Interventionen erkennen und nutzen · Proaktives Denken entwickeln: wichtige Aufgaben rechtzeitig und wirksam angehen · Rollen klären: bewusst unterscheiden zwischen eigenem Handeln und Delegieren an Mitarbeitende
Methoden: · Analyse aktueller Lebens- und Berufsrollen im organisationalen Kontext · Erkennen von Mustern in Erfolgen und Konflikten als Ansatzpunkt für wirksame Interventionen · Training mit spezifischen Tools, künstlerischen und musikalischen Methoden · Gruppencoachings zur Reflexion und Umsetzung im eigenen Praxisfeld
Ablauf: · 1-tägiges Präsenztraining · Optional (nicht im Preis inbegriffen) gibt es die Möglichkeit, 4 begleitende Online-Gruppencoachings zur nachhaltigen Integration in Ihre Führungspraxis zu erhalten. Hier werden Sie ein eigenes Projekt aus Ihrem Arbeitsfeld als persönlichen Entwicklungsgegenstand bearbeiten.
Nutzen für Sie · Mehr Klarheit über Ihre Rolle und Ihren Beitrag in der Organisation · Gestärktes Selbstbewusstsein im Umgang mit komplexen Rahmenbedingungen · Effizienteres, souveräneres Leiten von Prozessen · Erfrischung und Stärkung für Ihre tägliche Leitungspraxis
Kursleiter*in:
Heiner von Viebahn, Supervisor DGSV, Sozialpädagoge, Organisationsberater
Zielgruppe:
Führungskräfte im psychosozialen Bereich, angehende Führungskräfte
In diesem praxisorientierten (Selbsterfahrungs-) Seminar entdecken Sie die vielfältigen Möglichkeiten, Symbole gezielt einzusetzen. Hierzu gibt es praktische Übungen zur Symbolarbeit als auch Tipps für den Einsatz in Beratung, Coaching und Therapie.
Symbolarbeit ist eine Methode, die Symbole gezielt nutzt, um innere Prozesse, unbewusste Inhalte und persönliche Entwicklungen sichtbar und bearbeitbar zu machen. Sie wird in vielen Kontexten angewendet – etwa in Therapie, Coaching, Pädagogik, Supervision und der Traumaarbeit.
Symbole wirken tief auf unser Unbewusstes. Durch ihre Verwendung lassen sich innere Bilder, Gefühle, Konflikte oder Ressourcen in eine äußere, sichtbare Form bringen. Dies ermöglicht es, Themen zu „begreifen“, zu bearbeiten und oft auch leichter zu transformieren.
Bei der Arbeit mit Symbolen wählen Klient*innen Gegenstände (z. B. Steine, Figuren, Naturmaterialien, Spielmaterial), die innere Themen oder Zustände symbolisieren. Diese werden z. B. auf dem Boden arrangiert (ähnlich wie bei einer Aufstellung).
Ziel der Symbolarbeit ist es,
Zugang zum Unbewussten schaffen
Ressourcen aktivieren
Konflikte externalisieren
Emotionale Entlastung ermöglichen
Entscheidungen oder Entwicklungsprozesse klären.
Die Wirkung dieser Methode:
Aktiviert intuitive und emotionale Aspekte der Entscheidung
Ermöglicht Perspektivwechsel und emotionale Klarheit
Reduziert Verwirrung, weil das Thema „begreifbar“ wird
Unterstützt die Eigenverantwortung im Entscheidungsprozess.
Kursleiter*in:
Karin Vogel, Diplom Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin
Zielgruppe:
Fachkräfte aus dem psychosozialen Bereich
Schwerpunkt:
Üben des Einsatzes von Symbolen in entspannter Atmosphäre
Im Kontext von psychosozialer Arbeit ist die Beziehungsgestaltung zu unseren Klient*innen sowohl im stationären als auch im ambulanten Setting immer wieder eine Herausforderung in den helfenden Berufen. Wir sind oft mit Wünschen und Sehnsüchten jedoch auch mit Ablehnung und Feindseligkeit uns gegenüber konfrontiert. Dann fragen wir uns, wieviel Nähe tut den Klient*innen gerade gut und wo ist Abgrenzung notwendig. Manchmal jedoch sind wir verstrickt, so dass wir erst im Nachhinein bemerken, dass über unsere Grenzen gegangen wurde oder wir die Grenzen der Klient*innen verletzt haben. Um unseren Klient*innen ein gesundes Beziehungsangebot machen zu können, ist es wichtig, unser Nähe- und Distanzverhalten zu reflektieren.
In dieser Fortbildung wollen wir die Möglichkeit geben, die Haltung bezüglich Nähe und Distanz zu den Klient*innen anzuschauen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dies wollen wir auch mit Hilfe von praktischen Übungen tun. Gerne können auch eigene Fälle mitgebracht werden.
Kursleiter*in:
Gerlinde Huber, Diplom Pädagogin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
Fachkräfte in psychosozialen und medizinischen Arbeitsfeldern sind geübt darin, Menschen in persönlichen Krisen zu begleiten und zu stabilisieren. Doch was geschieht, wenn kollektive Krisen – globale Konflikte, gesellschaftliche Spannungen, ökologische und ökonomische Unsicherheiten – uns alle betreffen? Wenn diese Phänomene auch bei „den Profis“ Verunsicherung, Angst, Erschütterung oder Erschöpfung auslösen?
Diese Fortbildung bietet Raum, die eigene Resilienz zu stärken und Wege zu finden, innerlich stabil zu bleiben, auch wenn das Außen wankt. Denn Krisen tragen immer auch die Möglichkeit in sich, Entwicklung und Wandlung anzustoßen.
Gemeinsam wollen wir erkunden:
Welche Chancen und Lernfelder können in herausfordernden Zeiten liegen?
Welche Haltungen, Überzeugungen und Muster unterstützen oder behindern unsere innere Stärke?
Wie gelingt es, präsent, handlungsfähig und mitfühlend zu bleiben – für uns selbst, unser Umfeld und unsere Klient*innen?
In einem geschützten und wertschätzenden Gruppenrahmen verbinden sich theoretische Impulse mit Selbsterfahrung und Reflexion. Kurze Inputs zu Krise, Trauma und Entwicklung wechseln sich mit dialogischen, mentalen, körperorientierten und aufstellungsbasierten Methoden ab. So entsteht ein Prozess, der individuelles Coaching innerhalb der Gruppe ermöglicht und persönliche Ressourcen sichtbar macht.
Thematische Schwerpunkte:
Verantwortung in Zeiten kollektiver Erschütterungen: „Darf es mir gut gehen, wenn es anderen schlecht geht?“
Förderung hilfreicher Denk- und Gefühlsmuster
Präsenz und Verankerung im Hier und Jetzt
Transformation von (un-)bewussten Schuldgefühlen und Ängsten
Eigene Ausrichtung finden – ohne andere(s) abzulehnen
Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven und Polarisierungen: Entwicklung von Ambiguitätskompetenz
Offenheit und Neugier bewahren – trotz Unsicherheit und Wandel
Diese Coaching-Tage bieten Freiraum und Struktur, um persönliche Stabilität, berufliche Wirksamkeit und innere Balance neu zu entdecken und zu stärken.
Kursleiter*in:
Claudia Ehlert, Soziologin, M. A., Supervisorin (DGSv) und Fortbildnerin mit Schwerpunkt Psycho-Traumatologie/Trauma-Pädagogik
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Förderung hilfreicher Denk- und Gefühlsmuster
Präsenz und Verankerung im Hier und Jetzt
Transformation von (un-)bewussten Schuldgefühlen und Ängsten