Das in und mit der Gruppe Sein ist ein bedeutender Bereich der Arbeit mit den jungen Menschen, stellt gleichzeitig auch immer wieder eine große Herausforderung dar. Die Gruppe bietet Halt und Schutz, stiftet Identität und gibt Orientierung. Gleichzeitig jedoch kann sie sich bedrohlich anfühlen, ausgrenzend und einschüchternd. Wie gut es uns gelingt, uns in Gruppen zu bewegen, prägt unser Leben ganz wesentlich. Erste Gruppenerfahrungen in Familie, Kinderbetreuung und Schule sind ausschlaggebend dafür, inwieweit wir Gruppen als hilfreich und angenehm erleben, sie selbst gestalten können.
Wollen wir das Miteinander in der Gruppe gelingen lassen und für Entwicklung nutzen, müssen wir die Wirkfaktoren verstehen und bereit sein, eigene Erfahrungen einzubringen und zur Verfügung zu stellen.
Inhalte der Fortbildung:
Wirkfaktoren der Gruppe Gruppendynamik und Gruppenprozesse Rollenverteilung und informelle Machtstrukturen in Gruppen Deeskalationsstrategien Reflexion eigener Rolle und Wirkung im Gruppengeschehen
Kursleiter*in:
Anke Rabe, Diplom Sozialpädagogin, psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapeutin
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Gruppenprozesse und Gruppendynamik
Hilfreiche Interventionen und Strategien
Wirkfaktoren der Gruppe
Rollenverteilung und informelle Machtstrukturen in Gruppen
Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung werden oft in der Gruppenbetreuung als schwer integrierbar wahrgenommen. Sie haben große Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten, ihr Leben scheint manchmal ausschließlich aus Krisen zu bestehen und sie sind in ihrem emotionalen Erleben und den daraus folgenden Handlungen äußerst wechselhaft und widersprüchlich. Bei all den Krisen besteht die Gefahr, dass der normale Alltag ganz verloren geht. Diese Jugendlichen können sich selbst oft kaum aushalten und verstehen und versuchen sich mit Selbstverletzungen und suizidalen Phantasien und Versuchen zu „retten“. Wenn sie ihr Leid zeigen können, lösen Sie bei manchen Mitarbeitenden ein starkes Mitgefühl und den Wunsch zu helfen aus und gleichzeitig auch Enttäuschung, Hilflosigkeit und Wut, wenn diese Hilfe nicht angenommen wird. Oft werden diese jungen Menschen von den verschiedenen Mitarbeitenden eines Teams sehr unterschiedlich wahrgenommen, was zu widersprüchlichen Meinungen führt, was denn nun zu tun sei. Dann wird die Fallbesprechung lang, die Verabredung einer gemeinsamen Strategie kaum noch möglich. Die fehlende Wertschätzung dieser jungen Menschen für sich selbst wird auf die Mitarbeitenden und die Gruppe/Institution projiziert mit der Gefahr, das Mitarbeitende persönlich sehr verletzt werden und ihre Grenzen überschritten werden. Junge Menschen mit Borderline-Störungen haben das Potenzial, Fachteams und ganze Helfersysteme zu sprengen.
Inhalte dieses Fortbildungstages:
-Modelle zum Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Eine Orientierung und Ordnung zum Verstehen der oben beschriebenen Prozesse -Statt Untergehen im Chaos: Hilfreiche Phasen, Strukturen und Haltungen auf dem Weg zu dem Ziel, eine haltende Beziehung zu erarbeiten -Die „sieben Fehler“ (Streek-Fischer) unterlassen -Was kann ich tun, um persönliche Verletzungen zu vermeiden und wie damit umgehen, wenn es trotzdem passiert? -Wie gelingt gegenseitige Unterstützung im Team/Helfersystem und „an einem Strick ziehen“ trotz Spaltungsangeboten der jungen Menschen?
Zu diesen Inhalten wird ein Input vermittelt. In der Arbeit mit den Fallbeispielen, die Sie mitbringen, werden die Inhalte auf ihre persönliche Situation bezogen und individuell bearbeitet.
Kursleiter*in:
Eckhard Flöring, Diplom Sozialpädagoge, Gestaltpsychotherapeut, langjähriger Praktiker in der spezialisierten Jugendhilfe und Eingliederungshilfe für junge Erwachsene
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Modelle zum Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsstörung
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, „Sich um Kopf und Kragen reden“, „Sprechenden Menschen kann geholfen werden“… eine Reihe geflügelter Worte rankt sich um dieses Thema. Sie bilden einen doch eher ambivalenten Blick auf das gesprochene Wort ab. Wie lässt sich das richtige Maß finden, was braucht es, um sich angemessen mitteilen zu können?
In Gruppen kommen verschiedene Wirkfaktoren hinzu, die Redeanteile bestimmen und eine ganz eigene Kraft entwickeln können: In einem Mehrpersonensetting treffen Menschen aufeinander, die auf der Grundlage der eigenen Erfahrungen in Beziehungen und Kommunikation handeln. Das unausgesprochene Ziel der Gruppe ist es, die Situation, in die sie nun alle zusammen geraten sind, möglichst gut gemeinsam zu bewältigen. Dafür werden Rollen zugewiesen, Allianzen geschmiedet, geredet und geschwiegen. Wie gelingt es, das Erleben jedes/r Einzelnen ebenso im Blick zu behalten wie die sich entwickelnde Gruppendynamik und -bestenfalls- Entwicklung zu ermöglichen?
Inhalt der Fortbildung:
Achtsamkeit im Miteinander Selektive Authentizität vs. Abstinenz Schweigen aushalten und verstehen Bedeutung von Intimität und Öffentlichkeit in Gruppensituationen Gruppendynamik verstehen, Gruppenprozesse erkennen und nutzen Rahmung der Gruppe
Kursleiter*in:
Anke Rabe, Diplom Sozialpädagogin, psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapeutin
Zielgruppe:
Psychosoziale Fachkräfte
Schwerpunkt:
Gruppendynamik verstehen, Gruppenprozesse erkennen und nutzen
Bedeutung von Intimität und Öffentlichkeit in Gruppensituationen
Diese Fortbildung ist Bestandteil der modularen Weiterbildung "Qualifizierung für die Jugendhilfe und junge Erwachsenenhilfe". Dieses Modul kann hier auch einzeln gebucht werden.
Auch wenn die Jugendlichen, die in der Wohngruppe leben, als Einzelne mit ihren besonderen Fragestellungen und Problematiken gesehen und betreut werden, so leben sie zugleich in einer Gruppe. Für viele ist gerade der Kontakt und das sich-in-Gruppen-bewegen eine zentrale Schwierigkeit ihres Erlebens, die sie oft nur schwer bewältigen können. Die Arbeit mit der Gruppe der Jugendlichen ist eine unvermeidbare Aufgabenstellung für die einzelnen Betreuer*innen und das Team, das ebenfalls eine Gruppe ist. Prozesse der Gruppendynamik wahrzunehmen und die Arbeit mit der Gruppe als aktiven Prozess zu gestalten, sich selbst als Teil der Dynamik in Betracht zu ziehen, bildet eine Grundlage auch für die Arbeit mit den einzelnen Jugendlichen und soll in diesem Modul vermittelt werden.